Stralsunder Schützen-Compagnie 1451 e.V.

Geschichte der Stralsunder Schützencompagnie von 1789 bis 1815 (Schill) 



Die Niederlagen im Großen Nordischen Krieg, 1700-1721, und der Tod Karls XII. 1718 riefen eine heftige Reaktion gegen die königliche Alleinherrschaft, welche sich unter Karl XI. und Karl XII. zu einer offiziellen Diktatur entwickelt hatte, hervor. Die daraus resultierende Forderung nach einer neuen Regierungsform wurde 1720 erfüllt. In ihr wurde die Macht des Königs auf nur zwei Stimmen im Rat reduziert. Der Kanzleipräsident als oberstes Mitglied dieses Rates hatte die wirkliche Regierungsgewalt. Der Rat war seinerseits dem Reichstag gegenüber verantwortlich. Diese Staatsform entwickelte sich während der sogenannten  Freiheitszeit von 1720 bis 1772. Es entstand eine parlamentarischer Strömung, d.h. der Rat repräsentierte die Mehrheit im Reichstag und wechselte mit ihr. Gleichzeitig wurde, u.a. durch die wirtschaftliche Entwicklung, die Stellung der bürgerlichen Vertreter gestärkt. Da sich die Gegensätze im Reichstag nach und nach zu einem Streit zwischen Adel und Bürgertum vertieften, konnte Gustav III. (1771-1792) mit Hilfe eines großen Teils des Adels die Macht durch einen Staatsstreich 1772 wiedererobern.


Während der sog. Gustavianischen Zeit, 1772-1809, wurde die königliche Macht weiter verstärkt. Als am 14. Juli 1789 in Paris die Bastille erstürmt wurde, war eine starke Abneigung Gustavs III. und Gustav IV. Adolfs gegen die Französische Revolution und die ihr zugrundeliegenden Ideen von Machtverteilung, Konstitutionalismus und Demokratie festzustellen. 1789 wurden auf dem Reichstag in Stockholm, die letzten Privilegien des Adels auf den König übertragen. Diese Ereignisse brachten große Teile des Adels sowie der Beamtenschaft gegen Gustavs III. und Gustav IV. Adolf auf. 1792 wurde Gustav III. durch eine Gruppe von Adligen ermordet, die sich der königlichen Alleinherrschaft entgegenstellten.

Gustav IV. Adolf

Gustav IV. Adolf übernahm am 1. November 1796 die Regierung.
Im Krönungsjahre Gustav IV. Adolf 1800 wurden die Privilegien der Stadt Stralsund nicht wieder bestätigt. Gustav IV. Adolf war ein geschworener Feind der Französischen Revolution und auch Napoleon Bonapartes. So war es nicht verwunderlich das Schweden und Russland einen Vertrag gegen Frankreich schlossen.
Vom 5. bis 23. Juli 1800 besuchte Gustav IV. Adolf Stralsund. Er erteilte der Stralsunder Schützencompagnie die Erlaubnis vor seiner Stralsunder Residenz des Gouvernements hause, heute die Badenstr. 17, im Parademarsch vorbeimarschieren zu dürfen. Das Vogelschießen wurde auf seine Anordnung vom 16. bis 20. Juli durchgeführt.
Im Jahre 1803 weilte König Gustav IV. Adolf und Königin Sophie Wilhelmine zum Schützenfest in Stralsund, wo er selbst einige Schüsse abgab.
Auch in den Jahren 1805 und 1806 fand in Stralsund, trotz der kriegerischen Vorboten, das Vogelschießen statt. Schweden und England hatten am 11. April 1805 ein Bündnis geschlossen, dem Österreich und Russland beitraten.
Zum 26. Juni 1806 wurde durch einen Staatsstreich die gesamte Landesverfassung Schwedens außer Kraft gesetzt. Am 1. August 1806 wurde durch Kaiser Napoleon Bonaparte das Deutsche Reich aufgelöst. Als am 14. Oktober 1806 in der Schlacht von Jena und Auerstädt Preußens Staat zusammenbrach, wurde auch schwedisch Vorpommern davon betroffen. Am 17. Dezember 1806 wurden Vorbereitungen getroffen, den Franzosen Widerstand zu leisten. Aber erst am 20. August 1807 rückten die Franzosen in Stralsund ein. Stralsund wurde durch dänische und französische Truppen besetzt. Die Stralsunder Bevölkerung war zu dieser Zeit nicht besonders patriotisch.
So fuhr der Stralsunder Bürgermeister David Lukas Kühl 1808 nach Erfurt, zu Kaiser Napoleon Bonaparte, um die städtische Verfassung Stralsunds und deren Privilegien zu erhalten.
Die Erlaubnis Stralsunds Festung zu schleifen, wurde durch die Bürger der Stadt begeistert aufgenommen. In den dreihundert Jahren war Stralsund wiederholt durch Belagerung und Beschuss stark zerstört worden. Somit hörte Stralsund 1808 auf Festung zu sein. Nur noch einmal in der Geschichte sollte Stralsund zur Festung erklärt werden, und zwar im April 1945. Glücklicherweise wurde Stralsund aber kampflos übergeben.
Aber ein Mann rückte Stralsund 1809 wieder in das Licht der Geschichte, Ferdinand Baptista von Schill.
Ferdinand Baptista von Schill wurde wahrscheinlich am 6. Januar 1776 in Wilmsdorf bei Possendorf in Sachsen geboren. Sein Vater, Johann Georg Schill war Soldat, der während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) bald auf preußischer, auf österreichischer oder sächsischer Seite kämpfte. Nach, dem Willen seines Vaters trat er 1790 mit 14 Jahren als Fahnenjunker in das Dragonerregiment Ansbach -Bayreuth ein.
1793 wird er Sekondeleutnant und verbringt seine Dienstzeit in Garnisonen in Pommern(einige Jahre war er in Pasewalk), Polen und am Rhein. Während der Schlacht bei Auerstädt wird er als Leutnant am 4. August 1806 schwer verwundet, doch gelang es ihm über Magdeburg, Stettin nach Kolberg zu fliehen. Hier erhält Schill am 1. Februar 1807 die Erlaubnis zur Errichtung eines Freikorps. In seinem Freikorps führte er Reformen durch, die preußische Exerzier- und Schlachtfeldordnung wurde abgeschafft, wie auch die damals noch übliche Prügelstrafe. Die schimpflichste Strafe war die Ausstoßung aus dem Freikorps. Seine Maßnahmen kennzeichnen zwei Grundsätze: Die Achtung vor dem einfachen Soldaten und die Forderung, dass nur Wissen und Bildung, sowie Tapferkeit und hohe militärische Fähigkeiten zum Erhalt des Offiziersranges berechtigten. In Kolberg organisierte er mit dem späteren General Gneisenau die Verteidigung der Festung, die bis zum Tilsiter Frieden 1807 erfolgreich war. Durch kühne Streifzüge fügte dieses Korps den Franzosen, die Kolberg heftig belagerten, schwere Verluste zu.
Für seinen mutigen Einsatz wurde er zum Major befördert und mit dem Orden "Pour le merite" geehrt. Nach dem Waffenstillstand begibt sich Schill mit seinem Freikorps ins Hauptquartier von Blücher in Stargard. Aus dem Schillschen Freikorps wird das 2. Brandenburgische Husarenregiment, auf Befehl des preußischen Königs, gebildet.
Nach dem Abzug der französischen Truppen zog er am l0. Dezember 1808 als Kommandeur des 2. Brandenburgischen Husarenregiments unter dem Jubel der Bevölkerung an der Spitze der Truppen in Berlin ein. Von den begeistert jubelnden Berlinern erhält Schill den vergoldeten Ehrensäbel. Das Volk hatte einen neuen Helden und Freiheitskämpfer. Zu dieser Zeit wuchs überall in Deutschland der Unmut über die napoleonische Herrschaft.
Der Freiheitskampf der Spanier 1808 gegen Napoleon, bringt auch nach Preußen den Gedanken der Erhebung.
Am 28. April l808 zieht Schill mit einem Teil der Berliner Garnison und seinen Husaren aus Berlin. Schill erlässt einen Aufruf in über 1000 Exemplaren an die Deutschen, aber der erwünschte Erfolg bleibt aus.
In Verkennung der tatsächlichen Machtverhältnisse im Lande, beginnt er mit seinen treu ergebenen Soldaten den Kampf gegen Napoleon und seinen Verbündeten. Die ersten Kampfhandlungen führten ihn nach Westfalen. Hier herrschte als König, Napoleons Bruder Jerome. Die Franzosen ergreifen sofort Gegenmaßnahmen. Napoleons Bruder Jerome fühlte sich durch die Nadelstichtaktik Schills herausgefordert und setzte auf seinen Kopf, tot oder lebendig, eine Belohnung von l0.000 Franc aus. Bezeichnend wie das Volk dachte, ist ein handgeschriebener Zusatz auf einem Steckbrief in Kassel: " Mit Geld wiegt man Schills Kopf nicht auf, darum lasset ab von diesem Kopf. 10 000 Frances sind zu sind zu wenig, denn Schill bleibt aller Herzen König." Ob dieses Geld je gezahlt wurde, ist nicht bekannt.
Major Schill und seine Truppen erhielten aus vielen Teilen der Bevölkerung Unterstützung, obwohl dieses bei Höchststrafe verboten war.
Schills Truppen mussten aber oft auch herbe Verluste hinnehmen und sich schließlich bis weit in den Nordosten des Reiches zurückziehen. In Stralsund wollte er die feindlichen Truppen erwarten und zu diesem Zweck die Stadt zur Festung ausbauen.
Auch der Steckbrief mit der Kopfprämie wird in Stralsund veröffentlicht. Aber niemand ahnt das Schill nach Stralsund kommen würde. Am 18. Mai 1809 wurde bekannt das Schill in Mecklenburg eingerückt ist. Als Sicherheitsmaßnahme besetzen die Franzosen die wichtigen Straßen nach Tribsees und Damgarten. Bereits am 24. Mai wurden die napoleonischen Truppen am Übergang der Recknitz bei Damgarten geschlagen. Am Abend desselben Tages waren die Schillschen Truppen bereits in Karnin. Noch an Morgen des 25. Mai ziehen die französischen Soldaten unter Trommelwirbel durch die Straßen der Stadt Stralsund, um zu feiern das Wien gefallen ist. Am 25. Mai 1809 prescht Schill gegen 10.00 Uhr mit 40 Husaren durch das Tribseertor auf den Neuen Markt.
Der sich gerade auf dem Markt aufhaltende Kommandeur der französischen Artillerie, Capitän Noel, sieht die Sinnlosigkeit eines Widerstandes ein und ergibt sich. Er wird auf Ehrenwort entlassen. Schill lässt nun die Hauptmasse seiner Truppe in die Stadt einziehen und sammelt sie auf dem Neuen Markt, um zum Rathaus am Alten Markt zu ziehen. Unbemerkt hatten indessen französische Artilleristen am Zeughaus (Katharinenhalle) in der Mönchstraße eine Barrikade mit Kanonen errichtet. Als die Schillschen nun in die Mönchstraße einmarschierten, wurden sie mit Kartätschenladungen beschossen. Ein schwerer Straßenkampf entbrennt, an dem sich Schill persönlich. mit dem Gewehr eines Gefallenen, beteiligt. Da bietet der ehemalige schwedische Artillerieleutnant von Pettersson seine Hilfe an. Durch eine unbewacht gebliebene Hintertür am Zeughaus konnten nun die Schillschen hinter die Barrikade gelangen und im erbitterten Handgemenge die französische Besatzung niedermachen.

Nun war Stralsund nach zwei Jahren wieder frei von napoleonischer Besatzung. Gewiss hatte Schill eine große Anzahl Kanonen mit Munition erbeutet, aber der Zustand der Befestigungsanlagen der Stadt war trostlos. Schill, der die Festung von seinem Besuch in Stralsund 1807 her kannte, hatte nichts von der Schleifung der Befestigungsanlagen im Jahre 1808 gewusst. Die Wälle waren zum großen Teil abgetragen, die Graben ohne Wasser, die Zugbrücken vor den Stadttoren durch feste Brücken ersetzt worden. Wieder war es von Pettersson, der Schill seine Unterstützung als Fachmann gab. Man begann mit der Instandsetzung der Festungswerke. Täglich waren 1000 Arbeitskräfte im Einsatz, 600 aus der Stadt und 400 von den Dörfern. Hinzu kamen alle Maurer und Zimmerleute. In fieberhafter Eile werden das Franken- und dass Tribseertor, die als besonders gefährdet galten, instandgesetzt. Schill selbst gönnte sich, noch an der erlittenen Verwundung leidend, wenig Ruhe. Er überwachte die Schanzarbeiten oder die Bildung seiner Soldaten. Der Rat und die Bürger Stralsunds sahen Schills Absichten mit gemischten Gefühlen an, man fürchtete den Zorn Napoleons. Zudem war das Benehmen der Schillschen Soldaten recht grob.
Die ersten Nachrichten vom Anrücken der Franzosen und ihrer Hilfstruppen auf Stralsund unter General Gratien treffen am 29. Mai 1809 in der Stadt ein.Schill
Gegen Abend des 30. Mai nähern sich 6000 Soldaten der Stadt, denen ungefähr 1000 Mann gegenüberstanden. Am 31. Mai 1809, um 4 Uhr morgens, beginnt der Vormarsch der französischen Truppen gegen Stralsund. Schill erwartete den Hauptangriff des Feindes am Tribseertor, daher lässt er seine Truppen vor dem Tor aufmarschieren.
Nach seinem Plan sollten die Schwadronen des Leutnants von Brünnow im Schutze der Infanterie die anrückenden Franzosen angreifen. Obgleich nun seine Offiziere zum Angriff drängten gibt Schill den stürmischen Forderungen nicht nach, da er durch Meldungen und Beobachtungen die Aussichtslosigkeit des Angriffs erkennt.
Seinen Offizieren erwidert Schill: " Erst sollen Sie sich die Hörner ablaufen, dann will ich über sie herfallen und ihnen den Kehraus spielen. Stralsund sollen sie nicht bekommen und wenn ihrer noch einmal soviel wären." Die Franzosen rückten unangefochten auf die Stadt zu und kurz vor Stralsund schwenkte die Hauptmacht plötzlich links ab und zieht im Eilmarsch über Grüntal und Stadtkoppel nach dem Kniepertor, das am wenigsten auf eine Verteidigung vorbereitet war. Die Vorhut der Franzosen greift dagegen das Tribseertor an. Dieses geschickte Manöver der Franzosen hatte Schill nicht bemerkt, da das Gelände schwer einzusehen war. Wahrscheinlich waren die Franzosen auch über die schwächste Stelle im Verteidigungsgürtel von Stralsund informiert worden und setzten daher ihren Hauptangriff auf das Kniepertor an. Dieses Tor war durch Schill am schwächsten besetzt worden. Es fehlte an Geschützen und Soldaten, denn Schill erwartete immer noch den Hauptangriff auf das Tribseertor. Als Kampflärm vom Kniepertor ertönt, eilte Schill dorthin. Die Soldaten wurden von Hauptmann von Alwensleben und die Artillerie von Pettersson befehligt. Als zwei Angriffe des Gegners abgeschlagen werden und der Feind sich zurückzieht, begibt sich Schill wieder nach dem Tribseertor.
Nun erfolgt der dritte Sturmangriff der Franzosen auf das Kniepertor und sie konnten in die Stadt eindringen. Hauptmann von Alwensleben fällt und von Pettersson übernimmt das Kommando über die Truppen am Kniepertor. Hier findet indessen ein wütender Nahkampf statt.
Die Schillschen Soldaten halten aus und kämpfen bis zum letzten Mann im Tor und Torschreiberhaus. Nun trifft auch Schill wieder am Kampfplatz ein und erteilt Befehl, in Eile Barrikaden zu errichten. Verbissen wird um jedes Haus gekämpft. Außerdem erteilt Schill den Befehl, das Frankentor als Sammelpunkt für alle Kampffähigen unbedingt zu halten. Schill will als letzter die Stadt verlassen. Als er durch die Külpstraße zum Alten Markt reitet, wird dieser gerade von, den Franzosen besetzt. Hinter dem Spielmannszug der Franzosen reitet an der Stelle des in der Knieperstraße gefallenen Generals Carteret der neue Oberkommandierende Oberst Dollmann. Schnell wendet Schill sein Pferd, greift Dol1mann alleine an und haut ihn vom Pferd.
Dann reitet Schill mit seinen beiden Begleitern Mosch und Bocklet in die Külpstraße, wo es zu einem Handgemenge kommt. Seine beiden Begleiter fallen und Schill erhält einen Säbelhieb über die Stirn. Schill versucht nun, das Fährtor zu erreichen, um von dort mit einem Schiff nach Rügen, zu seinen dort stationierten Truppen zu gelangen. Über Schills Tod gibt es viele Darstellungen.
Der Augenzeugenbericht des Stralsunder Malers Brüggemann kommt der Wahrheit über Schills Tod in der Fährstraße wohl am nächsten. Schill kam noch bis in die Fährstraße, die zu der Zeit fast leer war. Etwa acht bis zehn holländische Soldaten standen an der Ecke Bechermacherstraße und ein Soldat vor dem Fährstraße 25, der sich ein auf dem Pflaster liegendes Gewehr besah und aufnahm. Die anderen Soldaten erkundigen sich bei dem Malers Brüggemann, wo der nächst Tabakladen sei.
Plötzlich wirft der Soldat vor den Hause Fahrstraße 25 das eben hochgehobene Gewehr fort, nimmt sei eigenes und schießt nach der Schillstraße. Die anderen Soldaten, durch den Gewehrschuss aufmerksam geworden, blicken hoch und sehen einen feindlichen Offizier(Schill), der mühsam ein Pferd im Galopp hält. Die Holländer und Dänen greifen zu ihren Gewehren und schießen auf Schill, der durch einen Kopfschuss getroffen, tot von Pferd fällt.
Der Straßenkampf war damit in Stralsund noch nicht beendet. Versprengte des Schillschen Korps kämpften mit äußerster Tapferkeit, so die 15 Schillschen Jäger in der Mühlenstraße gegen eine ganze Kompanie Holländer. Die ärmere Bevölkerung stand auf der Seite Schills. Der Handwerker Wilhelm versteckte - und das war bei Todesstrafe verboten - den Fähnrich von Seydewitz. Später konnte dieser unbemerkt aus Stralsund entkommen und entging so dem Schicksal der anderen Gefangenen Schillschen Offiziere. 500 Schillsche unter Leutnant Brünnow und Bärsch konnten sich durch das von den Dänen und Holländern besetzte Frankentor schlagen. Vor dem Tor formierten sie die Schillschen und konnten durch Verhandlungen mit dem französischen General Gratien einen ehrenvollen Abzug erreichen. Die Holländer und Dänen plünderten und misshandelten die Stralsunder. Die ausgeplünderte Leiche F. v. Schills wurde zum Rathaus geschleppt und dort fast unbekleidete auf einer Fleischbank zur Schau gestellt. Der wohlhabende Stralsunder Bürger Parsenow, ein ehemaliger Rittmeister in schwedischen Diensten, beglückwünschte General Gratien zum Sieg und zum Tod des "Räuber" Schill, um sich bei ihm einschmeicheln. General Gratien antwortete scharf: "Schill ne fut pas brigant, il fut heros! (Schill war kein Räuber, er war ein Held!). Sie können froh sein, wenn sie einmal einen so ehrenvollen Tod wie er finden." Der Leichnam Schills wird in ein Haus in der Nahe des Rathauses gebracht, wo der holländische Arzt Genoux den Kopf, vom Rumpf trennte, der am 1. Juni in einen Behälter mit Spiritus gelegt und dem König Jerome von Westfalen gebracht wird. Auf Befehl des neuen Stadtkommandanten, des holländischen Oberstleutnants Michchlin, soll Schills Rumpf "wie ein Hund verscharrt werden, was nachts in aller Heimlichkeit geschah.
Dafür musste auf Michchlins Befehl ein Dungwagen genutzt werden und es durfte kein Sarg gebraucht werde. Hiervon überzeugte sich Michchlin persönlich. Der Stralsunder Ratsherr Brandenburg ließ jedoch Schills Körper auf Stroh betten. Das Grab auf dem St.Jürgensfriedhof musste eingeebnet werden, kein Grabhügel oder Gedenkstein sollte an den Freiheitskämpfer Ferdinand von Schill erinnern. (nach einem Artikel von Günther Könik)
Etwa 400 Soldaten des Schillschen Corps fielen innerhalb der Stadt.
Die preußischen Soldaten wurden auf Fürsprache Blüchers milde bestraft, Mecklenburger durften wieder in die Dienste ihres Landesherrn treten. l 4 aus Westfalen stammende Soldaten wurden in Braunschweig erschossen. Die Geschichte wäre nicht vollständig ohne den Bericht über die 11 Schillschen Offiziere - der Jüngste von ihnen war erst 17 Jahre alt - die wegen angeblicher "Straßenräuberei" angeklagt und zum Tode verurteilt und auf den Lipp'schen Wiesen vor den Toren der Stadt Wesel am 16. September l 809 erschossen wurden. Am 31 . März 1835 wurde auch ihnen ein Ehrenmal geweiht und ihre Gebeine darin begraben. 543 gefangene Soldaten wurden nach Südfrankreich deportiert und müssten ihr Leben als Galeerensklaven fristen. Viele von ihnen sahen ihre Heimat nie wieder.

Erst 1813 wurde a
uch in Stralsund der Ruf nach einer Unterstützung des Befreiungskampfes laut.
Viel später wurde Ferdinand Baptista von Schill ordentlich begraben. Zum 25. Jahrestag der Völkerschlacht zu Leipzig am 18. Oktober 1838 legten deutsche Patrioten eine gusseiserne Platte heimlich im Schutze der Nacht und gegen den Willen des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. auf Schills Grab. Sie trug als Inschrift die Lateinischen Verse des römischen Schriftstellers Vergil:

"MAGNA. VOLLUISSE. MAGNUM. OCCUBUIT.
FATO. IACET. INGENS. LITORE. TRUNCUS.
AVOLSUMQUE.
CAPUT. TAMEN.
HANDSINE. NOMINE. CORPUS".
(Großes gewollt zu haben ist groß. Er ist hingesunken durch das Schicksal. Am Gestade liegt der mächtige Rumpf. Der Kopf wurde weggeschafft, so ist doch der Körper nicht namenlos).

Schills Grab in Stralsund