Stralsunder Schützen-Compagnie 1451 e.V.

Geschichte der Stralsunder Schützencompagnie bis 1648

Viele Ereignisse der Geschichte Europas und Deutschlands wurden mit Hilfe der Stralsunder Bürger geschrieben. Als Stralsund Ende Oktober 1234 das Stadtrecht durch Fürsten Witzlaw I. erhielt, war die Insel am Sund bereits lange besiedelt.

Durch die schwindende Macht der Zentralgewalt des staufischen Kaiserhauses kam es besonders im Norden Deutschlands zu Konflikten zwischen dem örtlichen Adel und fremden Königshäusern. Zum Schutz der Handelsstädte wurde 1283 das Rostocker Landfriedensbündnis zwischen den Städten Anklam, Greifswald, Demmin, Lübeck, Stettin, Stralsund, Rostock und Wismar gebildet. Der Vorläufer der Städtehanse war gegründet.
Die Kaufleute der Hanse wurden durch ihre  wirtschaftliche Macht ein ernst zunehmender Gegner, ins besonders  wenn es um die Wahrung ihrer Privilegien ging.

Den Kern der Bevölkerung der Hansestädte stellten Handwerker und Kaufleute dar. In den ersten Jahrhunderten der Hanse trugen dann auch die breiten Bevölkerungsschichten die Last der Kriege; wenn auch das erklärte Ziel der Ratsherren war, Konflikte über Verhandlungen zu lösen. Die Hansestädte hatten im Gegensatz zum Adel keine stehenden Krieger, sondern nur besoldete Stadtknechte. So mussten die Stralsunder Bürger im Dänischen Krieg 1361 bis 62 600 Mann und 1367 bis 70 200 Mann stellen. Das Gros dieser Kontingente wurde durch freie Bürger Stralsunds gestellt. Um Hab und Gut sowie Freiheit und Leben zu verteidigen, wurden Schützengilden aus den Bürgern und Zünften gebildet.
Um die Wehrhaftigkeit der Gilden jederzeit zu gewährleisten, wurden Turniere durchgeführt. So entstand auch der Brauch des Vogelschießens, der bis in unsere Zeit lebendig geblieben ist.
Aus überlieferten Dokumenten wird sichtbar, dass der Schuss auf den Vogel mit einem Frühlingsfest verbunden wurde. Die Geschichte der Stralsunder Schützen geht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Die erste Erwähnung des Vogelschießens wird aus noch vorhandenen Auszügen aus alten Chroniken ins Jahr 1451 datiert. In der Chronik von Johann Beckmann (Diakon der St. Marienkirche, gest. 1560) wurde das Vogelschießen wie folgt dargestellt:
"Er ward hier von einem Ratsherren, als Maigräven, welcher einen Kranz trug oder sich vortragen ließ, angeführt, und mit einer Collation auf dem K. Artus- Hofe, der auch die Frauen beiwohnten, geschossen.
Eine ,späthin, als auf dem hohen Wall oder f.g. Papgonenberge, vor den Kütetor, stehend, genannt Vogelstange (Pagponenboom) scheint gleichfalls auf ein altertümliches Volksfest hinzudeuten. "

Der Platz zum Vogelschießen soll in Stralsund vor dem Kütertor gelegen haben. Hier stand auch die Vogelstange, genannt "Papagotenbom". Als Stralsund noch Festung war, wurde die nahegelegte Bastion  dann auch "Schützenbastion" genannt.
Das Vogelschießen wurde ursprünglich auf einen lebenden Hahn durchgeführt. Er wurde so festgebunden, dass er in eine gewisse Höhe auffliegen konnte. Später wurde er durch einen hölzernen Vogel ersetzt. In späterer Zeit wurde der hölzerne Hahn durch einen hölzernen Papagei ersetzt.

VogelDie Erklärung des Namens liegt in der Bedeutung des Lateinischen Namens Pappagallus = Sittich. Noch heute trägt die Schützenkette der Stralsunder Schützen einen Papagei, der vom Schützenkönig 1997/98, Torsten Bremer, gestiftet wurde. Auch die alte Schützenkette hatte einen großen silbernen Papagei, welcher wahrscheinlich aus dem 17. Jahrhundert stammt, als Anhänger.
Damit wurde eine alte Tradition der Schützen wieder ins Leben gerufen, da die historische Schützenkette in den Wirren des 2. Weltkrieges verschwunden ist. Im Jahre 2002 wurden die historischen Ketten im Fundus des Kulturhistorischen Museums wiederentdeckt.

 Viele Dokumente aus dem Stadtarchiv belegen noch heute die große Bedeutung der Stralsunder Schützengilde. So erließ der Stralsunder Rat im Jahre 1592 eine Schützenordnung, von der noch eine Abschrift im Stadtarchiv zu besichtigen ist. Diese Schützenordnung war über 50 Jahre gültig und regelte den Umgang, die Schlichtung von Streitigkeiten, Wettkampfbedingungen und den Ablauf des Vogelschießens.
Anfang des 17. Jahrhunderts zogen dunkle Wolken über Europa auf. Mit dem Prager Fenstersturz 1618 begann ein Krieg, wie ihn die Welt bis dahin noch nicht erlebt hatte. Als der Krieg am 24.10.1648 in Münster mit dem Westfälischen Frieden endete, hatte Deutschland 1/3 seiner Bevölkerung verloren. 1627In dem Gebiet Brandenburg, Mecklenburg und Pommern waren bis zu 60 % der Bevölkerung dem Kriege zum Opfer gefallen. Als 1624 Albrecht von Wallenstein Reichsgraf wurde, war der Weg frei für die größte wirtschaftliche Transaktion jener Zeit. So stellte er eine eigene Söldnerarmee auf, die sich vom Kriege ernähren sollte. Im niederdeutsch- dänischen Kriege (1625 - 1629) zog Wallensteins Armee siegend von Böhmen erst nach Ungarn, von dort nach Schlesien bis nach Mecklenburg, Pommern, Holstein und Jütland.
Im Zuge dieses Feldzuges stand Wallenstein auch vor Stralsund. Aus den Taten seiner Armee gewarnt, wollten die Stralsunder ihre Stadt nicht übergeben.

Als die Belagerung begann, waren von der Stadt geworbene dänische und schwedische Truppen in Höhe von über 4000 Mann zugegen. Die Stralsunder selbst stellten 1000 Mann Bürgerwehr.

Aber nach langen verlustreichen Kämpfen war die Kraft der Stralsunder und ihren verbündeten Truppen erschöpft und nur frische Verstärkungen konnten Stralsund noch retten. Diese Notlage trieb den Stralsunder Rat dazu einen Alliancevertrag der am 23. Juni 1628 zustande kann. Dieser Vertag sollte den Bürgern und Einwohner Stralsund nicht nur den Sieg über Wallenstein bringen, sonder ein 20 jähriges Bündnis der den Schweden die Vorherrschaft im Norden Deutschland sicherte. Wallenstein
Der Versuch Wallensteins mit seinen Truppen Stralsund zu nehmen, schlug fehl. Die nicht verbürgten Worte Wallensteins: "Und wenn Stralsund mit Ketten am Himmel gebunden ist, so muss die Stadt doch herunter" zeigten den hartnäckigen Widerstand Stralsunds.
Nach der Geschichte hat Kugel Wallensteins Glas in dessen Hand zerschossen. Solche Schützen und hartnäckigen Widerstand hatte Wallenstein nicht erwartet.So musste Wallenstein von Stralsund sieglos abziehen. Die Stralsunder Bürger, die mit Hilfe der Schweden gekämpft hatten, waren die Sieger. Der Sieg aber kostete die Stralsunder hohe Verluste.
Aber mit dem Sieg begann eine 300 jährige Herrschaft der Schweden. Mit dem Westfälischen Frieden 1648 wurde die Zugehörigkeit Stralsunds zu Schweden manifestiert und Stralsund wurde Provinz.